3/3/21

Wie verhält es sich?

Wenn alles in gegenseitiger Wechselwirkung zueinander besteht und wir ein lebendiger Organismus sind, ist es dann nicht essentiell und notwendig verstehen zu lernen, dass wir und vor allem wie wir mit dem was uns missfällt in Beziehung stehen?
Erst dadurch, dass wir die Resonanzen dazu und damit unsere Mitverantwortung erkennen, können wir auch wirklichen Wandel bewirken und Neues hervorbringen.
Das Streben nach Harmonie ist uns gegeben, jedoch scheinen wir als „bewusst denkende Wesen“ oftmals nicht zu verstehen wie sich wirkliche Harmonie im Dasein offenbaren kann.
Harmonie ist in sich lebendig, wir hingegen suchen jedoch oftmals „Sicherheit in Objektivierung“ und damit in einem statischen Zustand an dem wir festhalten wollen.
Dies tun wir auch, indem wir versuchen Menschen, Situationen, Umstände „dingfest zu machen“, um uns sodann dazu positionieren zu können, um dadurch eine vermeintliche Verbesserung der Umstände bewirken zu können.

Kann man das was in sich lebendig ist wirklich „dingfest machen“?

So wie jede Diagnose eine Objektivierung eines zutiefst subjektiv erfahrenen und lebendigen Prozesses ist, so sind auch unsere fixierten Vorstellungen über uns, andere und die Welt nichts anderes als eine Form der geistigen Festlegung, auf die wir sodann in weiterer Folge einzuwirken versuchen.
Ein Problem kann nicht auf der Ebene gelöst werden auf der es entstanden ist und doch versuchen wir oftmals genau dies.
Dieser Versuch und Vorgang wird uns derzeit sehr deutlich im Außen gespiegelt, doch solange dieser Vorgang auch in uns und in unseren Beziehungen aktiv ist, werden auch wir weiterhin zu diesen Vorgängen auf der kollektiven Ebene beitragen.
Wir haben verlernt in lebendiger Beziehung zu sein und dadurch in Berührung zu sein mit dem was ist.
Wir wurden zu mechanistisch-denkenden Problemlösern konditioniert, anstatt Probleme auf der Ursachenebene erfassen zu lernen und erst dadurch darüber hinausgelangen zu können.
Auf dieselbe Weise versuchen wir auch oftmals dem „Göttlichen“ zu begegnen und machen daraus unbewusst ebenso eine „statische, fixe Sache“, sei es in der Negierung oder im Glauben daran.

Kann eine Melodie durch bloße Vorstellung erfasst werden?

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile, daher schafft der Vorgang der Objektivierung unweigerlich Trennung von dem was ist und trennt uns dadurch auch von der Möglichkeit des wirklichen Verstehens und der wirklichen Beziehung.
Wirkliches Verstehen führt über Bestehendes hinaus und zurück in die lebendige Berührung mit dem was ist.
Wir können nur über Bestehendes hinauswachsen, indem wir die geistigen Ursachen dessen was sich im Außen, in unseren Beziehungen und als Gesellschaft manifestiert, erkennen und verstehen lernen, nicht indem wir die Wirkung an sich bekämpfen.
Solange Konflikte präsent sind, sollten wir sie nicht als falsch deklarieren, da Wirkung und Ursache niemals voneinander zu trennen sind.
Etwas als falsch zu deklarieren, auch wenn es sich destruktiv auswirkt, bedeutet die natürliche konsequente Folgerichtigkeit bestehender Ursachen zu negieren und sich dadurch dem Lernen zu verweigern.
Schlussfolgerungen über das was ist, in Form von „das ist richtig“, „das ist falsch“, „das gut“, „das schlecht“, mögen das Gefühl einer moralischen Überheblichkeit stärken, jedoch sind sie nichts anderes als geistige Festlegungen, die niemals der lebendigen Natur des Seins gerecht werden und daher keine adäquate Antwort auf bestehende Herausforderungen sind.

Wir sind nicht unsere Gedanken, doch solange wir das glauben ist auch das wahr und ebenso erfahrbar.

Gedanken erschaffen Realität, niemals jedoch Wirklichkeit.
Erst durch die lebendige Berührung mit dem Wirklichen und Wirkenden, dem lebendigen Prozess des Seins, kann ganzheitliches Verstehen stattfinden und das Denken an seinen angestammten Platz geführt werden, doch dafür bedarf es Raum.
Meditation, die gleichsam absichtsloses Gewahrsein ist, schafft Raum für das Wirken der kosmischen Intelligenz.
Nur ein Geist der unvoreingenommen und dadurch aufnahme- und resonanzfähig ist, ist auch empfänglich für die Schwingungen der Seele, die über das Herz zu uns spricht und uns gleichsam auf unserem Weg führt.
Um diese Aufnahmefähigkeit aufrechtzuerhalten bedarf es immer wieder einer gewissen Geisteshygiene, die sich all voran darin übt das Gestern loszulassen.

Nur ein „leerer Geist“ ist ein klarer Resonanzkörper.

Schwingungen und Klang sind die Sprache des Kosmos mit der Schöpfung.

Es ist die Stille, die durch Zuhören und Erkennen entsteht, die unseren Geist klärt und uns immer wieder neu auf den Kosmos mit seiner inhärenten Harmonie einzustimmen weiß.
„Nur durch eine stille Wasseroberfläche kann der Grund des Sees gesehen werden“.
Erst durch Stille und den bewussten Kontakt zum Kosmos, können wir Sein von Schein, sowie auch Wirklichkeit und Realität unterscheiden lernen.
Es ist das Wirkliche, das „vertikale Prinzip“, das das Lineare zu transzendieren weiß, doch niemals können wir uns über den linearen Weg, dem „horizontalen Prinzip“, dem Wirklichen nähern.
Der Weg der Addition kann das Ganze nicht erfassen.
Zu prüfen wie es sich verhält und zu erkennen welche Implikationen und Konsequenzen bestehende Verhältnisse haben, führt uns zurück in wirkliche Harmonie.

Solange der Geist an Erfahrungen festhält, kreiert er Illusionen.

Erfahrungen dienen uns auf der Ebene des Wissens und der Linearität als notwendiger Referenzpunkt, auf den wir zurückgreifen können und dadurch auch gewisse Fertigkeiten entwickeln und verfeinern können.
Auf der geistig-emotionalen Ebene, auf der psychologischen Ebene, führt das Festhalten an Erfahrungen zu sich wiederholenden Gedankenmustern und damit verbundenen emotionalen Reaktionen, die die erlebte Realität entsprechend färben und gleichsam die Wirksamkeit einengen.
Sich keine Illusionen zu machen bedeutet im eigentlichen Sinn nichts anderes als frei von Wahn zu sein.
Fixierte, unverrückbare Vorstellungen über das was ist sind der Nährboden von Wahn und aller daraus resultierenden Dysbalance, was wir ebenfalls derzeit sehr stark vor Augen geführt bekommen.
Da alles von der einen universellen Energie genährt wird und der Geist schöpferisch ist, trägt auch das trennend wirkende Prinzip eine eigene Kraft und Dynamik ins ich, was sich unschwer in aufreibenden Konflikten und der Mobilisierung gegen „andere“ erkennen lässt.
Das „trennende Prinzip“ hat seinen eigenen Reiz, da es stets mit Macht und der damit vermeintlichen Souveränität lockt.
Da wir alle nur allzu gerne „sicher sein“ wollen, fühlen wir uns von dieser Form der Macht immer wieder angezogen, Machtspiele in unseren Beziehungen und das Ellenbogenprinzip basieren auf derselben Geisteshaltung.
Oftmals verwechseln wir dabei Liebe mit Schwäche und Nachgiebigkeit und erkennen die uneingeschränkte Konsequenz Ihrer Natur nicht.


Liebe kennt keine Anpassung, sie ist ihr eigenes wirkendes Prinzip.


Wo Anpassung ist, ist gleichsam Unterdrückung, Autorität und Abhängigkeit.

Der Weg der „Nicht-Anpassung“ impliziert ein Leben ohne geistige Autorität und damit ein Leben in wirklicher Selbstverantwortung.
Solange wir bewusst oder unbewusst nach Autorität auf der geistigen Ebene verlangen, wird sich diese unvermeidlich auch im Außen auf die eine oder andere Weise manifestieren.
Autorität bedarf es auf der Ebene des Wissens, doch ist Wissen niemals das Werkzeug um in eine lebendige Beziehung mit dem Leben treten zu können, hierfür bedarf es vielmehr lebendige Resonanzfähigkeit, was nur durch geistige „Nicht-Festlegung“ möglich ist.
Erst indem wir erkennen, wie sich unsere geistigen Anhaftungen auswirken, können wir darüber hinausgelangen, nicht indem wir geistige „Nicht-Anhaftung“ anstreben, was wiederum einen linearen Prozess impliziert und uns von dem was ist getrennt hält.

Das Lineare bindet uns und hält uns im „Werden und Ankommen“ gefangen.

Die geistige Einteilung in Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, dient uns auf der Ebene der Realität als Koordinatensystem, jeglicher wirklicher Wandel kann jedoch nur aus dem „Jetzt-Moment“ heraus geschehen, was Aufmerksamkeit für das was ist voraussetzt.
Wirkliche Revolution fängt daher stets bei uns selbst an und wirkt sich im weiteren Verlauf auch auf das kollektive Feld aus.
Indem wir auf unsere Beziehungen achten, unseren Geist verstehen lernen und auf unser Herz hören, achten wir gleichsam auf das Große Ganze und gehen den Weg der Harmonie und des ganzheitlich wirkenden Prinzips, was eine natürliche Konsequenz in unserem Handeln gegenüber äußeren Umständen mit sich bringt.
Hierfür kann es jedoch keine Allgemeinformel geben, Formeln beruhen auf Berechnung die der Komplexität des Lebens nicht gerecht werden.
So wie man das Wetter niemals gänzlich kontrollieren und nur in Tendenzen voraussehen kann, so können wir auch die Gesamtheit des Lebens niemals gänzlich überschauen, jedoch in lebendiger Beziehung dazu sein.

In Übereinstimmung mit der kosmischen Intelligenz offenbart sich Harmonie.


In dieser Übereinstimmung finden wir zurück in unsere essentielle Schwingungssignatur und unseren ureigenen Rhythmus.

Von da aus kann sich eine vollkommen neue Qualität des Daseins eröffnen, die nicht an das Lineare gebunden, jedoch durchaus in diesem Feld wirksam ist.
Wenn wir ein lebendiger Organismus sind und alles in gegenseitiger Wechselwirkung zueinander besteht, so haben wir auch gleichsam Verantwortung für das Große Ganze und damit auch für das Wohlergehen eines jeden einzelnen Lebewesens.
Lebendige Resonanzfähigkeit, die Fähigkeit der freien, lernenden Wahrnehmung und gelebtes Mitgefühl offenbaren gleichsam intelligente Lösungen auf bestehende Herausforderungen, alles andere hält uns auf der Ebene gefangen auf der das Problem entstanden ist.
Leben ist ein lebendiger Prozess und niemals festgelegt.
Auch wenn unseren Herzen die Essenz des Wirklichen und Wirkenden vertraut ist, haben wir die Verantwortung dem Leben auf der geistigen Ebene, wie auch auf der körperlichen Ebene entsprechend gerecht zu werden, so dass sich lebendige Harmonie im Dasein offenbaren kann.


© Saira – Thomas Saumweber
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