23/3/21

Erfolgreich sein?


Erfolg ist das was erfolgt.

In diesem Sinn ist keiner jemals nicht erfolgreich, doch natürlich wissen wir was mit „erfolgreich sein“ in den meisten Fällen assoziiert ist.
Erfolgreich sein ist der stetig anhaltende Hype, der auch Eingang in den sogenannten „spirituellen Bereich“ gefunden hat.
An oberster Stelle steht dort allen voran die sogenannte „Selbstverwirklichung“, doch was bedeutet das überhaupt „sich selbst zu verwirklichen“ - wer verwirklicht da was?
Bedeutet Selbstverwirklichung letztendlich nicht aus der Ganzheit heraus zu wirken?
Das Ganze ist das Ungeteilte, dem Wortsinn nach das Individuelle.
Die „Rückkehr zur Ganzheitlichkeit“ impliziert dabei die harmonische Zusammenarbeit der verschiedensten Seinsaspekte, so dass aus einer harmonischen Einheit heraus agiert werden kann.
Eines ist dabei klar, wo ein Zustand der Ganzheitlichkeit nicht ist, ist ein Zustand von Getrenntheit und dadurch Uneinigkeit in uns.
Verschiedenste Aspekte mit verschiedenen Motivationen und Bestrebungen stehen dabei in einem gefühlten Widerspruch zueinander, was sich unter anderem auch in inneren Spannungen zum Ausdruck bringt - in Wahrheit sind wir uns der Uneinigkeit erst durch die wahrgenommenen inneren Widersprüche bewusst und versuchen sodann verständlicherweise Ordnung zu schaffen.

Wer oder was ist das, was die verschiedenen Seinsaspekte „integriert“ und vereint?

Ungeprüft gehen Viele davon aus, dass es da diesen einen Teil in uns gibt der neutral und klar ist und demnach in der Lage sich der „Integrierung“ der sich widersprüchlichen Anteile zu widmen.
Dieser Teil wird unter anderem der „neutrale Beobachter“ genannt, der scheinbar frei von all den widersprüchlichen Ambitionen, Absichten und Motivationen sich selbst beobachten kann.
Solange dieser „neutrale Beobachter“ jedoch ein Konstrukt des Denkens ist, führt sich das Denken selbst hinter´s Licht und der Zustand der Spaltung und des Konflikts, bleiben unweigerlich aufrechterhalten.
Daher ist es überaus wichtig zu erkennen und zu verstehen, was wirkliche Beobachtung in der es keine innere Spaltung gibt impliziert, denn natürlich muss eine Form der Beobachtung stattfinden um überhaupt zu Erkenntnis, Verstehen und Einsicht gelangen zu können.

Solange der „neutrale Beobachter“ ein Konstrukt des Denkens ist, bleibt der dualistische Geist und damit der Zustand der Spaltung erhalten.

Aufgrund unserer Konditionierung jegliche Probleme über das Denken lösen zu wollen, kann es immer wieder passieren, dass wir uns in unseren scheinbar neutralen Beobachtung selbst täuschen.
Dies jedoch zu erkennen, bringt bereits eine Form von Gewahrsein hervor, die eine neue Qualität hervorzubringen vermag.
Kann willentliche Interaktion jemals Ganzheitlichkeit hervorbringen oder ist der Wille an sich nicht bereits eine Form des Widerstandes gegen das was ist?
Der Wille impliziert bereits die Bestrebung etwas zu erreichen und verlangt gleichsam einen immensen Energieaufwand um sich entsprechend durchsetzen zu können.
Willentlich ist sicher vieles möglich, doch geht der willentliche Vorgang auf der „geistig-psychologischen Ebene“ stets mit einem selbst-isolierenden Prozess einher, der niemals wirkliche Harmonie hervorzubringen vermag, sondern Trennung aufrechterhält.

Meditation die etwas erreichen will, ist keine Meditation.

Meditation impliziert die absichtsloses Wahrnehmung dessen was ist und führt durch Verstehen und Einsicht darüber hinaus, was nur durch den „Geist der Nicht-Bestrebung“ möglich ist.

Meditation die etwas zu erreichen versucht, sind im eigentlichen Sinn "Trancereisen".
„Trancereisen“ haben auf der „geistig-psychologischen Ebene“ durchaus Ihren Sinn und Ihre Berechtigung, insofern sie entsprechend konzipiert sind, da sie dadurch auch brachliegende Ressourcen aktivieren können.
Der Weg der Meditation anerkennt ebenso die psychologische Ebene und deren Auswirkungen in Körper, Geist und Seele, kann sie jedoch durch Verstehen gleichsam transzendieren.
Das „Ich“ das etwas erreichen will, ist die Summe unserer psychologischen Struktur auf die wir uns in uns in den meisten Fällen beziehen.
Dieses „Ich“ ist ein Konstrukt des Denkens mit entsprechenden neuronalen Synapsen und damit verbundenen emotionalen Reaktionsmuster.
Solange dieses „Ich“ nicht verstanden ist, ist Spaltung und die Wiederholung der Vergangenheit das Resultat, da dieses „Ich“ im eigentlichen Sinne die Vergangenheit ist.

Das Individuelle kann nur aus dem Universellen geboren worden.

Nur aus der universellen Intelligenz heraus ist wahre Vereinigung unserer verschiedenen Seinsaspekte möglich ist und wo diese Art der Einigkeit ist, ist Harmonie.

So wie die Einzigartigkeit einer Rose aus dem Zusammenspiel der elementaren Kräfte der Erde, des Wassers, des Windes und des Lichtes geboren wird, so kann auch die Einzigartigkeit des Seins nur in Verbindung mit dem universellen Geist erblühen und sich harmonisch entfalten.
Es ist die universelle Intelligenz die gleichsam die kosmischen Konzepte erwachen lässt und der Seele mittels archetypischen Bildern zu Selbsterkenntnis, Verstehen und Einsicht verhilft.
Jede Seele gleicht dabei einer einzigartigen Landschaft mit einer spezifischen Schwingungssignatur, die wiederum Teil einer größeren Symphonie ist.

Intelligenz ist ein inhärentes wirkendes Prinzip der Schöpfung.

Diese kann jedoch auch sehr eingeengt und ebenso durch einen gespaltenen Geist pervertiert sein, was in der wissenschaftlichen Aufrüstung der Kriegsindustrie klar erkennbar ist.

Solange wir das Netz des Lebens nicht anerkennen und weiterhin ichbezogene Wesen sind, resultieren daraus ebenso auch „wir-bezogene Nationen“ und elitäre Gruppen.
Aus dieser Geisteshaltung heraus werden zudem immer wieder neue Feindbilder generiert, da Trennung dabei das motivierende Prinzip ist.
Willentlich selbstlos zu sein ist jedoch ebenso eine Maskerade der Ichbezogenheit.
Daher ist es wichtig die eigenen „Ich-Bestrebungen“ wahrzunehmen, die sich stets durch „besitzen wollen“ zum Ausdruck bringen und alle damit verbundenen Implikationen erkennen zu lernen.

Die Leere die sich selbst erfüllen will, ist der unstillbare Hunger eines verwirrten Geistes.

Verstehen, Klarheit und Harmonie können da Einzug halten, wo wir beginnen uns selbst so zu sehen wie wir sind, was nur durch aufrichtiges Hinschauen und Mitgefühl möglich ist.

Mitgefühl ist das was allumfassend ist, verbindet und gleichsam das Einzigartige anerkennt.
Wo Mitgefühl ist, ist die Art von Intelligenz die unsere Seinsaspekte zu vereinen weiß und dadurch in eine Qualität der Ganzheitlichkeit zurückführt.
Durch das Verstehen und Erkennen dessen was Leid erzeugt, erblüht die Kraft des Mitgefühls und durch die Kraft des Mitgefühls erwacht das Feuer der Leidenschaft.
Das für was wir von Herzen brennen ist die Kraft die uns durch unser Leben trägt.
Was auch immer es ist, dieses Feuer am Leben zu halten und aus dieser Kraft heraus zu wirken macht das Leben wertvoll, alles andere hält uns im „Konformen“ und damit in einem Zustand der Anpassung und der Unterdrückung.
Wir können nicht nicht erfolgreich sein, doch liegt es in unserer Hand was wir bewirken und für das Große Ganze hervorbringen.




© Saira
 – Thomas Saumweber
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